Schlussbericht: Gut gekleidet nach vorne
Freitag, 18. Dezember 2009 || Autor: Jeanette Piwonka
Knapp 9.000 Teilnehmer, davon mehr als die Hälfte Schüler und Studenten haben drei Monate die Börse ausprobiert. Die Sieger stehen jetzt fest.

18. Dezember 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach drei Monaten mit zahlreicher Teilnahme sind die Orderbücher des Börsenspiels geschlossen. Viele Schüler und Studenten sowie die regen Diskussionen in den Netzwerken machten das Spiel besonders lebendig. Die Depotbewegungen der Sieger spiegeln das Börsengeschehen der vergangenen Monate wider.
Rege Teilnahme
Vorab einen statistischen Überblick: Knapp 9.000 Teilnehmer haben beim Börsenspiel mitgemacht, die meisten waren bis zum Ende aktiv. Mit 2.623 Schülern und 2.210 Studenten sind über die Hälfte in den Sonderwertungen dabei. Und immerhin 72 Klassen oder Gruppen sind gegeneinander angetreten. Leider haben es nur 2.378 Mitspieler geschafft, ihre Depots über Wasser, d.h. im Plus zu halten. Das ist erstaunlich angesichts der Tatsache, dass – gemessen am deutschen Leitindex DAX – Aktien während der Laufzeit des Spiels leicht gestiegen sind. Weniger überraschend, aber dennoch schade ist der geringe Anteil an Frauen im Spiel, lediglich ein Fünftel der Mitspieler sind weiblich.
Klassenwertung
Bei den Klassen und Gruppen liegt die Klasse 10a des Couven-Gymnasium in Aachen am Ende vorne. Die Schüler haben aus 20.000 Euro Startkapital 25.370 Euro gemacht, das ist ein beachtliches Plus von gut 25 Prozent in drei Monaten. Klassenbester ist Mr.Ix mit knapp 8.300 Euro Gewinn. Geschafft hat er das vor allem mit dem Kauf der Paion-Aktie in mehreren Tranchen. Der Kurs der Aktie des Aachener Biotech-Unternehmen hat sich während des Spiels mehr als verdoppelt. Analysten zufolge liegt das an positiven Studienergebnissen. Unternehmen in der Biotechnologie konzentrieren sich oft jahrelang auf eine oder wenige Produkte, die sie zur Marktreife bringen wollen. Entsprechend riskant, bzw. chancenreich ist ein Investment.
Modeaktie kleidet Siegerdepots
Was sonst eigentlich Fashonistas und die Textilbranche bewegt, prägt in diesem Jahr die Börse und damit auch das Frankfurter Börsenspiel – die Aktie vom Modekonzern Escada. Die Mitspieler auf den vordersten Plätzen haben nicht meist mehr gemacht als zum rechten Zeitpunkt aus dem Wertpapier wieder auszusteigen.
Escada hatte am 2. November Insolvenz angemeldet, bereits am 5. November ist der Einstieg von der indischen Industriellenfamilie Mittal bekannt gegeben worden. Mitte November stieg die Aktie innerhalb weniger Stunden von 70 Cent auf 2 Euro – ein kurzfristiges Plus, das inzwischen wieder verpufft ist. Dahinter stecke allein die Wette auf schnelle Spekulationsgewinne mit Short-Positionen. Mehr dazu steht im Wochenbericht vom 18. November.
Am 4. Dezember wurde die zu liquidierende Escada AG umbenannt in EDOB Abwicklungs AG und am 10. Dezember ist die Aktie vom Prime in den General Standard gewechselt (WKN 569210). Heute kostet sie rund 70 Eurocent, der durchschnittliche Umsatz am Tag hält sich bei rund einer Million.
Gesamtsieger in der offenen Wertung
Von dem kurzen Modetrend an der Börse im November hat allen voran Uno profitiert. Der Mitspieler von der Nordseeküste, der schon beim 3. Börsenspiel in 2008 dabei war, hat in einer Bilderbuch-Transaktion zum Thema „billig kaufen, teuer verkaufen“. zum Spielbeginn eine große Position Escada-Aktien gekauft zu 80 Cent je Aktie und am 9. November zu 2 Euro mit einer Limit-Order wieder verkauft. Mit den übrigen Engagements in Cit Group und Arcandor hat er Verluste. Nach Gebühren sind unterm Strich 43.918 Euro im Depot. Wir freuen uns auf Uno, den wir persönlich aufs Parkett führen werden.
Auch der Zweitplatzierte, KingCharles, hat mit dieser Strategie Erfolg gehabt und ein Plus von 20.998 Euro erzielt. Er hat während der gesamten Spieldauer nur zwei Aktien im Depot gehalten: Escada und Aixtron. Insgesamt haben rund ein Drittel der Preisträger von den Kurskapriolen des Modeunternehmens profitiert.
Schüler: Mode und Biodiesel
Bei den Schülern sieht das ähnlich aus. Der Erste in dieser Kategorie, phil-ip90, hat jedoch auf ein anderes Unternehmen gesetzt: Eurogas. Insgesamt war der Mitspieler in hochspekulative Minenwerte, so genannte Explorer wie Wealth Minerals, Cardero Resources oder Anaconda Mining, eingestiegen. Sein Plus von 17.987 Euro hat er mit Eurogas gemacht, einem hochvolatilen Rohstoffwert. Das US-Unternehmen hält zahlreiche Beteiligungen im Rohstoffsektor und hat während der Spielzeit unter anderem die Ausgabe einer Wandelanleihe angekündigt. Mehr dazu steht im Wochenbericht vom 13. Oktober. Auch phil-ip90 werden wir gerne übers Frankfurter Parkett führen.
Auf Platz 4 der Schülerliste steht KFM93, der auf das Biodieselunternehmen Verbio Vereinigte Bioenergie gesetzt hat, ein europäischer Hersteller von Biodiesel und Bioethanol, der seit Spielbeginn 250 Prozent an Wert zugelegt hat. Analysten zufolge glaubten Investoren bei dem Unternehmen wohl an eine Trendwende bei dem Unternehmen (Siehe Bericht vom 25. November). KFM93 hat es 10.822 Euro gebracht.
Neben Explorern und Verbio dominieren Gewinne durch Escada auch in der Schülerwertung. Die Nächstbesten folgen dem Bestplatzierten auf der Ferse: blasen mit insgesamt 37.858 Euro im Depot und sklorz mit 35.032 Euro.
Studenten: Erfolgreich mit regem Handel
Betrachtet man sich die Anzahl der Trades, so scheint es, Studenten hätten am meisten Zeit zum Handeln gehabt. Mindestens 35 und maximal 81 Orders haben die zehn besten Studenten aufgegeben. Neben Escada brachte u.a. Dialog Semiconductor den Erfolg. Vieltrader MKTF aus Bayern hat es mit 41 Orders auf ein Plus von 14.237 Euro gebracht – trotz Gebühren von 3.778 Euro. Seine Strategie scheint zu sein, schnell wieder aus einem Wert auszusteigen, egal in welche Richtung der Kurs läuft, ob für oder gegen MKTF. Die erfolgreichste Position im Depot ist Dialog Semiconductor (WKN 927200). Der Hersteller von Schaltkreisen u. a. für Smartphones hat sich während des Spiels von 4,70 Euro auf 7,11 Euro verteuert, u. a. wegen angehobener Prognosen. Sieger enfo und Drittplatzierter dirnhill haben von Escada profitiert, alle drei gewinnen ein Händler- bzw. Redaktionspraktikum, bei dem sie Börsenwissen unter Beweis stellen können.
Breitere Streuung für solidere Gewinne
Die Klassenwertung weist geringere, aber lebensnahere Ergebnisse vor. Wegen des Durchschnittsergebnisses der fünf besten Depots einer Klasse basiert die Performance auf einem breiter gestreuten Investment. In der Einzelwertung setzen erfolgreiche Börsenspieler häufig auf hoch riskante Werte, in der Hoffnung die Richtigen „zu erwischen“. Denn der Verlust ist kein echter, dem stehen aber größere Gewinnchancen gegenüber.
Uns hat das Börsenspiel auch diesmal großen Spaß gemacht. Wir haben gerne den vielen Teilnehmern eine Chance gegeben, ihre Börsenstrategien auszuprobieren oder die ersten Schritte auf das Börsenparkett zu machen. Das rege positive Feedback bestätigt, dass dies gelungen ist. Das nächste Spiel werden wir um einige Portfolioregeln erweitern, die die oben beschriebene Risiko-Chancen-Asymmetrie abfedert. Viel Erfolg auf dem echten Börsenparkett.
Alle Gewinner vom 4. Frankfurter Börsenspiel
© 18. Dezember 2009/Edda Vogt
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